Mit Präzision und Humor * INTERVIEW MIT ROLF SACHS *

Er verleiht Objekten einen besonderen emotionalen Wert, gestaltet seine Umwelt und designed für große und kleine Marken Produkte, die individueller nicht sein können. Der Designer, Photograph und Künstler Rolf Sachs erbte von seinem bekannten Vater Gunter Sachs vor allem eines: Die Fähigkeit in kreativer Weise der Welt mit offenen Armen und einem toleranten Geist zu begegnen.

VON ANDRÉ CHAHIL Photos © rolfsachs.com

Herr Sachs, in Ihrer Ausstellung „typisch deutsch?“ haben Sie sich 2014 mit Eigenschaften und Klischees der Deutschen in Form von Objekten und Installationen auseinandergesetzt. Könnte man es für einen Auftakt von „typisch französisch?“ oder vielleicht sogar „typisch europäisch?“ deuten – wäre da ein Gedanke? Welche Nation würde Sie in einer ähnlichen künstlerischen Auseinandersetzung besonders reizen?

Um so eine Ausstellung zielsicher gestalten oder kreieren zu können, muss man das Thema bis unter die Nägel spüren, auch als halb Franzose würde es mir selber schwerer fallen es auf französisch „zu übersetzen“. Wenn eine andere Nation, sehr wahrscheinlich die Schweiz, dort ging ich zur Schule und kenne die Eigenarten, aber ich habe natürlich nicht die innere Empfindung in den Genen. Dort gibt es natürlich einige Parallelen, aber auch große Unterschiede.

PHOTO by Byron Slater | © rolfsachs.com
 Die/Das Maß´  |  Biskuitporzellan, Manufaktur Nymphenburg  |  7 Liter,  Edition 25+2  |  2013

Gibt es aus dem europäischen Kulturraum einen Alltagsgegenstand, dem Sie gerne nach Ihrem Gusto ein neues Design mit einer veränderten Außenkommunikation geben würden?

Würde diese Frage gerne generell beantworten. Vieler unserer Alltagsgegenstände gehen verloren, da sie mit „durch neues Design“ ersetzt werden, dort liegt die Tragik. Formen die sich über Jahrhunderte langsam zurecht geformt haben, sollte man meist nicht ändern. Dafür gibt es natürlich Ausnahmen, meist durch Technologie bedingt, wo es somit Sinn macht. Dazu gehört auch teils die Architektur, ein gefährliches Thema in diesem Kontext, aber leider ist nur sehr gute moderne Architektur gut!

Kreative Köpfe speisen oftmals die Ideen für Ihre Werke aus anderen kulturellen Bereichen. Können Sie bewusst festmachen, aus welchen Feldern die Impulse für Ihr bisheriges Oeuvre stammen. Gibt es bei Ihnen so etwas wie ein wiederkehrendes Muster?

Jeder, wie auch ich, ist natürlich von vielem auf verschiedenste Art beeinflusst. Ein wiederkehrendes Muster sind Objekte oder Utensilien denen ich schon als Kind begegnet bin, die meist reinen funktionalen Charakter haben – die meisten sind sozusagen evolutioniert und nicht designed. Die Form entstand durch Generationen von Handwerkern oder Ingenieuren. Bei Mercedes gab es in den 50er Jahren noch keine Designer, die geborenen Kinder waren aber sehr einfühlsam, allen voran der 300SL Flügeltürer!

PHOTO: © rolfsachs.com
Man achte auf die innere Logik des Zifferblattes: IQ FORTIS Watch  |  Titan, Leder, Edition 999  |  2008

Manche Werke gelingen einem Künstler auf Anhieb, andere werden immer wieder überarbeitet bis der Erschaffende oder ein potenzieller Auftraggeber mit einem Ergebnis zufrieden ist. An welchem Objekt, Auftrag oder Konzept hatten Sie ihrer Meinung nach eine vollends stimmige Umsetzung, dieses von der ersten Minute an. Haben Sie ein Beispiel, welches Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Von der ersten Minute einen grossen Wurf zu haben, ist nicht unmöglich, aber fast, und wenn es so ist wird er sehr wahrscheinlich sehr gut sein. Ich muss stets meine Ideen verdauen, leider ist oft meine Verdauung schlecht! Mein Spaten „Sysiphus“ war sehr wahrscheinlich ein persönliches Beispiel, natürlich auch dank seiner Einfachheit.

… und ein Beispiel für eine scheinbar schwer zu lösende Umsetzung?

Die Liste ist leider länger als bei der vorigen Frage …

Existieren in ideeller Natur bestimmte Künstler, Designer, Kunst- oder Designschulen, die Sie geprägt haben und die Sie für ihr eigenes Werk im Geiste aufgreifen, diese sogar in tradierter Weise fortführen?

Sicherlich gibt es viele Einflüsse, Anfang der Modernen, russischen Suprematisten: Malewitsch; De Stijl: Rietveld; Bauhaus; Dada; Nouveau Realisme: Yves Klein, César; Beuys; Minimalism; Conceptual. Alle diese Schulen, Ansätze oder Richtungen beeinflussen mich, aber selten und sicherlich gezielt führe ich es in einem Werk weiter – das ganz „Neue“ ist mir das Wichtigste.

 

PHOTO: © rolfsachs.com
SMART SPRINKLE  |  SMART FORTWO, Sonderanfertigung  |  2010

Wir teilen eine Leidenschaft: das Tragen von farbenfrohen und facettenreichen Schals! Bei Ihnen sind es manchmal große und auch reduziertere Versionen. Einige haben auch eine Funktion, die im Kontext zu Ihren Arbeiten stehen. Wenn Sie diesem Accessoire eine Hommage schreiben würden, was wäre inhaltlich die Quintessenz?

Ich liebe Sachen umzufunktionieren, so auch Putz-, Staub- oder Geschirrtücher, eben wieder die aus der Vergangenheit stammenden Emotionsträger neu zu definieren. Praktisch, unerwartet, einfach mit einer Prise Humor!

Haben Sie einen lebenden Künstler/In in Gedanken, den Sie für unterschätzt halten und dem Sie mehr Aufmerksamkeit wünschten?

Heute ist der 40igste Geburtstag meiner Freundin Martina von Meyenburg, schätze ihr Werk sehr und fühle eine Seelenverwandschaft.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                   
Bildschirmfoto 2015-05-21 um 20.48.17
  ☞  martinavonmeyenburg.com 

 

Gibt es ein kommendes Projekt aus dem Atelier Sachs auf das sich die Kunstwelt bald freuen darf – können Sie schon etwas verraten?

Ich arbeite gerade an einem Restaurant das nicht dekoriert, sondern emotioniert wird!

Bei aller Bescheidenheit: was würden Sie sich für die künstlerische Nachwelt wünschen? Mit welcher Botschaft könnte/sollte man Ihr Oeuvre und kreatives Dasein in Erinnerung behalten?

Hoffe die Welt offener & toleranter zu verlassen!

Herr Sachs, ich danke Ihnen für das Interview.

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Katalog zu Ausstellung TYPISCH DEUTSCH?  Museum für Angewandte Kunst | Köln 2014

 

 

 rolfsachs.com

 

 

. . . mehr aus dem Hause Sachs?

WARHOL IN DER MILCHSTRASSE * GUNTER SACHS AUSSTELLUNG IN HAMBURG, 1972

 

chahil

Andre chahil

Art & Critique | Interviews | Boulevard

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