MEDIA-ARTSHOWS IM PORTRAIT: SABINA BREDEMEIER


Die in der Hamburger Milchstraße ansässige GALERIE EWA HELENA bietet seit 2016 mit dem Konzept der MEDIA-ARTSHOWS für potenzielle Newcomer eine Plattform, die für bildende Künstler einen wertvollen Sprung in den etablierten Kunstmarkt bedeuten und ebnen kann. Teilnehmer unterschiedlichen Genres werden hierbei, sowohl medial aus auch in Form von attraktiven Ausstellungen, in Intervallen an mehreren Standorten präsentiert. In dieser Reihe stellen wir Ihnen Talente im Rahmen eines kurzen Interviews vor. Haben Sie Teil an den Gedanken und dem kreativem Umfeld eines jeden Künstlers! Im Portrait: SABINA BREDEMEIER
VON ANDRÉ CHAHIL | Photo © Sabina Bredemeier

Frau Bredemeier, kreative Persönlichkeiten speisen häufig ihre Inspirationen aus unterschiedlichen Quellen. Können Sie bewusst festmachen, woher die Ideen zu Ihren Arbeiten stammen?

In der Schnellebigkeit unserer Zeit nehme ich mir bewusst Zeit, wenn ich mit meiner Kamera auf Entdeckungstour bin. Mich interessieren die Geschichten hinter den Dingen, die ich vorfinde. Oft sind es kaum noch beachtete Spuren des menschlichen Daseins mit all seinen Emotionen und Gedanken in Form von verwitterten Denkmälern, verlassenen Orten oder auch Graffiti.

Seit wann sind Sie künstlerisch aktiv und in welchem Genre/Medium fühlen Sie sich zuhause?

Bereits als Kind habe ich viel gemalt und gezeichnet. Später kam die Fotografie dazu, die mich mit ihren digitalen Möglichkeiten zum Photopainting führte. Hier konnte ich vermeintliche Gegensätze zu einer neuen Aussage ästhetisch zusammenführen, wie z.B. bei meinen Arbeiten zu „Signs of the City“. Hier habe ich alte Denkmäler und neue Graffiti zu einer generationsübergreifenden neuen Idee kombiniert.

Von der Idee bis zu der Realisierung eines Werkes sind es manchmal Hürden, die es zu überwinden gilt und mitunter gehen besondere Erlebnisse mit einher. Haben Sie für uns eine besondere, persönliche Geschichte zu der Genese eines Werkes?

Ich erinnere mich gut an eine Situation. Ich entdeckte ein altes und angeschlagenes Denkmal, welches ich fotografieren wollte, weil mir der Korpus so kraftvoll erschien. Dabei wurde ich von einem älteren Herrn beobachtet, der mir recht ergriffen die Geschichte aus dem 1. Weltkrieg dazu erzählte. Erst in dem Moment begriff ich, dass ich gerade dabei war ein ehemals kriegsverherrlichendes Denkmal für meine Arbeit festzuhalten. Für mich ein absolutes No-Go!

„Last Night the DJane save my life“
Photopainting/DigiArt auf Alu-Dibond, 100cm x 100cm, 2017 | Photo © Sabina Bredemeier

Der Verlauf der klassischen Kunstgeschichte hat gezeigt, dass Kunst Botschaften beinhalten kann. Von philosophischen Ideen zum Kommerz. Von einer Komplexität zur einfachen Dekoration. Gibt es eine Botschaft, die Sie mit ihren Arbeiten vermitteln möchten?

Besonders mit meiner neuen Ausstellung „SzenenBilder“. Wir alle bewegen uns gerne in einer gesellschaftlichen Szene, setzten uns mitunter mehr oder weniger unbewusst in Szene. Es ist der archaische Wunsch nach Dazugehörigkeit. Der uns aber oft auch zwingt, eine Maske zu tragen, eine Rolle zu spielen und unser eigentliches Ich zu verleugnen. Was ist Wahrheit, was ist Dichtung? Was ist Spiel, was ist Ernst? Unsere Authentizität sollten wir viel öfter hinterfragen, um zu erkennen wer wir sind und wo wir stehen.

Besondere Stationen Ihres bisherigen Schaffens waren …

Eine besondere Ausstellung war für mich „Requisiten der Stadt“ im Theater in der List in Hannover. Die wechselnden Bühnenspiele mit ihren Aussagen, Hintergründen oder Philosophien waren für mich und das Publikum eine inspirierende Ergänzung zu meinen Bildern, die darstellten, dass auch wir das Leben gerne als Bühne sehen.

Ihre Werke werden gegenwärtig im Konzept der Galerie von Ewa Helena Martin gezeigt. An dieser Adresse wurden Andy Warhol und Joseph Beuys ausgestellt. Beide verstorbene Künstler prägten die Kunstgeschichte des ausgehenden 20. Jahrhunderts bedeutend mit. Angenommen Sie hätten die Gelegenheit beide in der Galerie anzutreffen, was wären die Gesprächsthemen?

Sabina Bredemeier, Portrait 2017 | Photo © Sabina Bredemeier

Obwohl z.B. Pop-Art in den 60er Jahren als Mahnung gegen Kommerz und Oberflächlichkeit einer Gesellschaft stand, wurde dieser Kunststil Jahrzehnte lang kaum noch beachtet, obwohl die Ausgangssituationen für dessen Philosophie und Motivation immer aktueller wurde. Gehört es zur Verantwortung eines Künstlers, dass er sich und seinem Gedankengut frei von Kommerz über Jahrzehnte treu bleibt? Oder bedeutet diese Einstellung Stillstand?

Die Zusammenarbeit mit der Galerie in der Milchstraße 28 bedeutet für Sie …

Es ist für mich geradezu spürbar ein wichtiger Schritt hinaus aus der Isolation des Ateliers. Ich erwarte nicht nur Anerkennung und Bestätigung, sondern auch Kritik. Zu meiner Galeristin Ewa Helena Martin habe ich 100%iges Vertrauen und empfinde unsere Zusammenarbeit als hochmotivierend.

Unter Künstler! Welchen weiteren Teilnehmer der Media-Artshows schätzen Sie von der künstlerischen Qualität her? Auf wem richten Sie Ihre Aufmerksamkeit.

Spontan fallen mir die Werke von Claudia Kaak ein. Mit ihren mutigen, mitreißend emotionalen Bildern und einer handwerklichen Perfektion berührt sie mich sehr. Ebenso, wie Maribel Brandis mit ihren lebendigen Gesichtern oder Christa Marianne Haack Pfaff, deren Farbgewalt und Strukturen sehr anregend sind.

„MADONNA“
Photopainting/DigiArt auf Alu-Dibond, 120cm x 80cm, 2016 | Photo © Sabina Bredemeier

und welche Werke von lebenden oder bereits verstorbenen Künstlern nehmen Sie mit in Ihr eigenes Museum, wenn Sie morgen eines eröffnen würden?

Auf jeden Fall Bilder von Gerhard Richter. Mich fasziniert sein Ideenreichtum, seine Art der Auseinandersetzung mit der Kunst. Dann ganz sicher auch Zeichnung von Horst Janssen, weil es so viel in seinen Bildern zu entdecken gibt. Und last, but noch least Robert Rauschenberg. Seine Pop-Art-Collagen sind immer wieder aktuell und bereichernd!

Zeitreise! Was macht die Kunst von Bredemeier in 5 und was in 10 Jahren? Wo darf die Reise hingehen?

In 5 Jahren werden neue Materialien zu Trägern meiner Bilder. Bei Berührung der Oberfläche und dem Einsatz von Licht werden sie sich verändern und bewegen, vielleicht auch ein Motiv verzerren, auf jeden Fall lebendig sein. Erste Versuche laufen bereits, aber das ist alles noch ganz geheim. Und in 10 Jahren – spätestens in 10 Jahren, am liebsten gleich nächste Woche – werden sich meine Bilder als eine Form von Hologramm auch in des Umfeld des Betrachters einfügen. Der Betrachter soll das Motiv begehen können und sich Dank Reflektionen selbst darin wiederfinden.

Mögen die Ziele realisiert und die Träume in Erfüllung gehen! Haben Sie vielen Dank für das Interview.


Die MEDIA-ARTSHOWS * Ein Konzept der Galerie Ewa Helena

* Kontakt, Informationen & Bewerbungen *

 Milchstraße 28, 20148 Hamburg – Tel.: +49 (0)40 . 41 91 09 55 – mail@galerie-ewa-helena.com

 
chahil

Andre chahil

Art & Critique | Interviews | Boulevard

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